Die bretonische Tigerin: Die Piratin, die den Ärmelkanal aufmischte

Jeder kennt Blackbeard, Sir Henry Morgen oder Francis Drake. Piraten, die Geschichte geschrieben haben. Zu den erfolgreichsten Piratinnen gehörten Frauen wie Anne Bonny und Mary Read. Weitaus weniger bekannt aber ist die Geschichte von Jeanne de Clisson, auch bekannt als Jeanne de Belleville, oder auch: die Bretonische Tigerin. Es gibt viele unterschiedliche Darstellungen ihrer Abenteuer, aber die Eckdaten stimmen in allen Geschichten weitestgehend überein. Was wir auf jeden Fall wissen: Jeanne de Clisson war die gefürchtetste Piratin in unseren Breitengraden und verbreitete 13 Jahre lang Furcht und Schrecken im Ärmelkanal.

Dabei war ihr alles in die Wiege gelegt worden, einer Karriere als Verbrecherin aus dem Weg zu gehen. Ihr Vater war reich und adlig. Mit 12 heiratete sie einen reichen Adligen. Als dieser starb, heiratete sie den nächsten reichen Adligen. Doch dann wurde ihr Mann, Olivier III de Clisson, des Hochverrats für schuldig befunden und auf Anweisung des französischen Königs Phillip VI enthauptet. Seinen Kopf schickte man zurück, auf dass er zur Abschreckung ausgestellt würde. Das passte Jeanne gar nicht. Wütend schwor sie dem französischen Adel blutige Rache. Um ihre Familie auf die Vendetta einzustimmen, reiste sie mit ihren Söhnen nach Nantes, wo die Witwe den Kindern den Kopf des Vaters zeigte.

Jeanne de Clisson machte keine halben Sachen. Sie verkaufte ihren Besitz. Mit dem Erlös hob sie eine kleine Armee aus und begann einen Feldzug gegen französische Truppen. Die Legende will es, dass sie dabei ein ganzes Fort massakrieren ließ. Als ihr die Kampfhandlungen zu viel wurden, floh sie mit ihren Söhnen nach England. Einer der Söhne starb während der Überfahrt, der andere – Olivier Jr. – wurde bei Hofe aufgenommen und wurde viele Jahre später zu eine der Schlüsselfiguren des Hundertjährigen Kriegs.

Die Engländer statteten Jeanne de Clisson mit drei Kriegsschiffen aus. Jeanne wusste um den psychologischen Effekt eines guten Farbenspiels Bescheid und ließ alle Schiffe pechschwarz anmalen. Die Segel wurden derweil blutrot eingefärbt. Mit dieser kleinen, aber furchterregenden Armada segelte sie den Ärmelkanal auf und ab, auf der Jagd nach französischen Schiffen. Entdeckte sie eins, pflegte Jeanne das Schiff zu entern und alle an Bord zu töten – bis auf einen glücklichen, der den Auftrag erhielt, dem König von ihren Taten Bericht erstatten zu lassen. Den Rachefeldzug gegen den französischen Adel führte die Bretonische Tigerin 13 Jahre lang, weit über den Tod des Königs Phillip VI hinaus.

Der Rache müde setzte sie sich dann irgendwann in England zur Ruhe, heiratete einen Engländer, bekam mit ihm Ländereien in der Bretagne zugesprochen, wo sie kurze Zeit später starb. Die Bretonische Tigerin wurde 59 Jahre alt.

Quellen:

The Lioness of Brittany and her Black Fleet of Pirates,  Women Pirates: Jeanne de Clisson – The Lioness of Brittany, Jeanne de Belleville

Verpasse keinen Beitrag


Folge auf Facebook und Twitter. Auf UnglaublicheGeschichten.de sammle ich Unglaubliche, aber wahre Geschichten: Kuriose Schlagzeilen, interessante Geschichten und ungewöhnliche historische Ereignisse. Im Gegensatz zu Der Postillon, The Onion oder Die Tagespresse sind die in diesem Blog veröffentlichten Artikel aber keine Satire und keine Fake News – sondern echte Nachrichten und Geschichten. Sprich: Realsatire. Einzelne Artikel können Affiliate-Links enthalten. Finde hier mehr heraus.

Leave a Reply +

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

5 × fünf =