Weihnachtsfrieden: Das Weihnachtsmärchen im Ersten Weltkrieg

Wenn morgen am 24.12.2016 Heiligabend ist, jährt sich zum 102. Mal der sogenannte Weihnachtsfrieden des Ersten Weltkriegs. Um die 100.000 Soldaten auf allen Seiten legten 1914 entlang der Westfront während der Weihnachtsfeiertage die Waffen nieder – mitten im Krieg.

Trotz des Fortschritts in der Produktion von Waffen war der Erste Weltkrieg an vielen Fronten noch ein klassischer Schlachtfeld- und Grabenkrieg, ein Anachronismus, der mit der Entwicklung in der modernen Kriegsführung nicht mithalten konnte.

An vielen Stellen in Europa lagen Armeen in Schützengräben und belauerten den Feind auf der anderen Seite, oft in Rufweite voneinander entfernt. Man verließ die Gräben, griff an, erschoss einen Feind oder wurde erschossen, zog sich zurück und wartete auf den Gegner. So rollte Angriffswelle über Angriffswelle von einer Seite zur anderen. Ein Historiker beschreibt es so:

Wenn es als Hinterlassenschaft für die Nachwelt ein Sinnbild des Ersten Weltkrieges gibt, dann ist es der Grabenkrieg – sind es Millionen von Soldaten, jahrelang im Schlamm in einen sinnlosen Kampf verstrickt, nur um unter ungeheuerlichen Verlusten winzige Geländegewinne zu erzielen, ein jahrelanger Aderlass für die Bevölkerung und die Ressourcen der kriegsführenden Nationen.

Ein Weihnachtsmärchen

Doch am 24. Dezember passierte an den unterschiedlichen Fronten des Stellungskrieges etwas, das man heute als Weihnachtsfrieden kennt. Eine Geschichte, die in in vielerlei Hinsicht ein Märchen ist: Zum einen muten die Ereignisse surreal an, zum anderen gibt es unzählige Erzählungen rund um den Weihnachtsfrieden, aber nur eine Handvoll von ihnen sind belegt.

Gesichert ist, dass an vielen Gräben eine Feuerpause eingelegt wurde, um Verletzte und Tote zu bergen. Man einigte sich darauf, nicht zu schießen. Nachdem sie ihre Kameraden beerdigt hatten, kamen die verfeindeten Soldaten miteinander ins Gespräch.

Auch Offiziere waren daran beteiligt. Es wurden sogar Verhandlungen geführt, und an manchem Graben stellten die Soldaten sogar Weihnachtsbäume auf. Andere Einheiten schnappten sich einen Fußball und kickten miteinander im Niemandsland zwischen den verfeindeten Linien.

In einem Brief wird es so beschrieben:

„Wir wollten schon auf sie feuern, als wir sahen, dass sie unbewaffnet waren, also ging einer von unseren Männern zu ihnen hin – und binnen zwei Minuten wuselten zwischen den Gräben Soldaten und Offiziere beider Seiten schüttelten sich die Hände und wünschten sich fröhliche Weihnachten.“

An einem Ort feierten deutsche und britische Soldaten einen gemeinsamen Gottesdienst zu Ehren ihrer gefallenen Kameraden. Manche Soldaten tauschten im Weihnachtsfrieden Bier, Tabak oder Nahrungsmittel, es sollen sogar gemeinsam Weihnachtslieder gesungen worden sein; es gab „mindestens ein gemeinsames Schweinegrillen, gegenseitiges Haareschneiden und Rasieren, mehrere Fußballspiele und es kam viele Male zum Austausch von Genussmitteln wie Tabak, Zigaretten und Schokolade.“

Leider einigte man sich nicht überall auf eine Feuerpause. Insgesamt 250 Soldaten starben an Weihnachten. Das Schicksal dreier Soldaten wurde erst kürzlich aufgedeckt. Britische Soldaten hatten auf eine Laterne der Deutschen geschossen, die sie als Zeichen des Friedens hissten. Es kam daraufhin zu einem Gefecht. Aber tatsächlich waren Weihnachten 1914 Kämpfe eine Ausnahme.

Das Ende der Feuerpause

Tatsächlich eine erstaunliche Geschichte: Am 23. und 24. Dezember kam es inmitten des brutalen Wahnsinns dieses Grabenkrieges entlang der Westfront zu Feuerpausen und vereinzelten Verbrüderungen. Hunderttausende Soldaten feierten gemeinsam oder zumindest friedlich nebeneinander Weihnachten. Teilweise hielt die Feuerpause, die als Weihnachtsfrieden bekannt wurde, bis in den Januar. Ein Bataillonsbericht beschreibt, wie es weiterging:

Um 8:30 Uhr wurden drei Schuss in die Luft gefeuert und die Briten hissten eine Flagge mit der Aufschrift „Merry Christmas“. Auf der anderen Seite der Front erschien ein deutscher Hauptmann, der ein Tuch in die Höhe hielt, auf dem „Thank you“ geschrieben stand. Beide salutierten und gingen in ihre Gräben zurück. Ein deutscher Soldat schoss zweimal in die Luft, danach war wieder Krieg.

Eine fiktionalisierte Version der Ereignisse wurde unter dem Titel Merry Christmas mit Daniel Brühl und Diane Kruger verfilmt (amazon-Link).

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