War Dogs

War Dogs (Film-Review)

Viele Filme basieren auf wahren Geschichten. In unregelmäßigen Abständen bespreche ich hier so spoilerfrei wie möglich Filme, deren „wahre Geschichte“ nicht bloß deshalb fasziniert, weil die Protagonisten berühmt sind. Bewertet wird dabei vor allem der Unterhaltungswert und die Faktentreue. Was ist dran am Label „nach einer wahren Geschichte… based on a true story“?

War Dogs (2016): Darum geht’s

David Packouz ist gerade mal 23 Jahre alt, als ihn sein Jugendfreund Efraim Diveroli einlädt, in seine Firma einzusteigen. Efraim ist Waffenhändler und bietet auf Auftrags-Ausschreibungen der US-Regierung mit. Seine Spezialität, die ihn schnell zum Millionär macht: Während die Big Player wie Grumman oder Lockheed Martin sich nur für die großen Volumina interessieren, greift Efraim die Brotkrumen ab, die vom Tisch fallen. Das Geschäft läuft gut. Doch dann kommt ein Auftrag der US-Regierung, der als Afghan Deal in die Geschichte eingehen wird: Das Pentagon sucht einen Händler, der die afghanische Armee mit Waffen und Munition im Wert von 300 Millionen Dollar ausstatten kann. Klar, dass die beiden Kumpel da mitbieten, ohne zu wissen, dass dieser Auftrag alles verändern wird…

War Dogs (Trailer, bei amazon vorbestellbar), mit Miles Teller, Jonah Hill und Bradley Cooper in den Hauptrollen, basiert – natürlich – auf einer wahren Geschichte.

Die Faktentreue

David Packouz und Efraim Diveroli gab es wirklich, und auch die Prämisse des Films – junge Stoner dealen mit Waffen und schnappen sich einer der größten Auftragsvolumen des Pentagons – entspricht den Fakten. Ihre Geschichte sorgte damals für einiges Aufsehen und das Drehbuch nutzt einige der Medienberichte als Vorlage, inklusive der Schicksale der Protagonisten.

Die Eckpfeiler von War Dogs sind also tatsächlich wahr. Darüber hinaus hat der Film jedoch wie es üblich ist die Geschichte der beiden juvenilen Waffenhändler stark fiktionalisiert, Figuren weggelassen oder verdichtet, Dialoge erfunden oder dramatisiert. So ist im Speziellen ein Deal und seine Umsetzung, der ungefähr in der Mitte von War Dogs passiert, in der Form nie vonstatten gegangen. Stattdessen stammt dieser Part aus einem anderen Script des Drehbuchautors – und basiert wiederum auf seinen eigenen Erlebnissen.

Trotz aller fiktionaler Elemente ist der haarsträubende Kern der Story wahr: Das Pentagon machte Waffen-Deals mit dauerbekifften Quasi-Teenagern.

Der Unterhaltungswert

Todd Philipps hat erkennbar versucht, eine Mischung aus Lord of War und The Wolf of Wall Street zu drehen, leider ohne die beißende satirische Tiefe des Ersteren oder den Rhythmus und den Drive des Letzteren zu erreichen. Auch sind weder Packouz noch Diveroli sympathische Protagonisten (Matt Zoller Seitz: „War Dogs is a film about horrible people that refuse to own the horribleness.“), so sehr sich Miles Teller und Jonah Hill auch Mühe geben. Klar, man fiebert ein Stück weit mit ihnen mit, vor allem, was die Beziehung von Packouz angeht, und man investiert die eine oder andere Emotion in die Frage, ob ihre Freundschaft den ganzen Schlamassel überleben wird. Aber am Ende geht es hier immer noch um zwei sehr, sehr egoistische Arschlöcher, die mit dem Tod Geld verdient haben.

Aber trotz allem macht der Film Spaß – zumindest, wenn man die Hangover-Reihe mag, die vom selben Regisseur stammt. War Dogs ist kein satirisches Meisterwerk, aber man kann ihn an einem Sonntag Nachmittag gut weggucken. Es gibt den einen oder anderen Lacher, die zugrundeliegende Geschichte ist interessant genug, um dran zu bleiben und letztlich hauchen sowohl Teller und Hill als auch Bradley Cooper ihren Figuren genug Leben ein, um den Film zu einer unterm Strich gelungenen Komödie zu machen.

War Dogs war im Kino und erscheint im Februar 2017 auf DVD, Blue Ray und Amazon video.

Vorschaubild: Screenshot Trailer / Warner Bros.

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