Trotz Trump, Syrien & Co.: Wir leben in der friedlichsten Phase der Menschheit

Es klingt unglaublich, angesichts der Nachrichten der letzten Jahre, angesichts von Terroranschlägen und Säbelrasseln der Weltmächte. Aber es stimmt: Global betrachtet ging es der Menschheit noch nie besser.

Wir leben tatsächlich in der friedlichsten Phase der Menschheit. Exemplarisch drei Fakten, die diese Behauptung untermauern:

1. Die Zahl der durch Kriege verursachten Toten sowie die Zahl der Kriege geht kontinuierlich zurück

friedlichste Phase der menschheit
Quelle: Our World in Data

Noch nie gab es weniger Kriegstote. Noch nie waren Konflikte weniger tödlich als in dieser Phase der Menschheit. Es gibt immer weniger Kriege und KonflikteDie Zahlen lügen nicht: „Weite Teile der Welt waren nun für einen beispiellos langen Zeitraum friedlich. Kriege gibt es noch immer, aber noch nie war die Welt so friedlich wie heute.“

Und obwohl die jüngsten Terror-Angriffe anderes vermuten lassen – der Terrorismus hat im Westen seit dem letzten Jahrhundert über den Gesamtzeitraum eher ab- als zugenommen.

friedlichste Phase der Menschheit
Quelle: Datagraver

Und weltweit steigt auch der Human Rights Score kontinuierlich seit den 80er Jahren. Die Welt wird friedlicher.

2. Es gibt immer weniger Morde

Friedlichste Phase der Menschheit
Quelle: Our World in Data

Weltweit sinkt die Mordrate. Max Roser schreibt: „In Europa werden 5 von hunderttausend Menschen Opfer eines Mordes. In der Renaissance war diese Rate 10 Mal so hoch. In vorgeschichtlichen Gesellschaften wurde jede zehnte Person umgebracht.“

Im Jahr 2007 gab es pro 100.000 Menschen 0,33 Todesopfer eines gewalttätigen Angriffs – inklusive bewaffneter Konflikte. Im 20. Jahrhundert waren das noch im Schnitt 60 pro 100.000.

Die Lebenserwartung ist weltweit gestiegen

friedlichste Phase der Menschheit
Quelle: Our World in Data

Dank der Fortschritte in der Medizin, bei der Hygiene, dem Ausbau der medizinischen Versorgung, von Infrastruktur und weltweiten Hilfsmaßnahmen sowie dem Rückgang von Kriegen und der Tödlichkeit von Konflikten leben die Menschen länger als je zuvor.

Noch nie hatte ein 10jähriger auf diesem Planeten so gute Überlebenschancen wie heute. Gewalt gegen Frauen geht immer weiter zurück. Auch das ein Ergebnis einer immer friedlicheren, fortschrittlichen Welt.

Es ist wahr: Wir leben in der friedlichsten Phase der Menschheit

Steven Pinker, renommierter Soziologe, schreibt: „Brutalität als Unterhaltungsform, menschliche Opfer aus abergläubischen Gründen, die Sklaverei, Eroberungen als erklärtes Ziel von Regierungen, Völkermorde als Mittel zum Zwecke des Landgewinns, Folter und Verstümmelung als weit verbreitetes Strafmittel, die Todesstrafe für Kleinstvergehen und Meinungsverschiedenheiten, Auftragsmorde als Nachfolgeregelung in der Politik, Vergewaltigungen als Waffe, Pogrome, Morde als verbreitete Form der Konfliktlösung – all das war für die längste Zeit der Menschheitsgeschichte integraler Bestandteil des Lebens. Heute jedoch sind sind sie im Westen selten bis nichtexistent und weitaus seltener als früher in anderen Teilen der Welt, finden meist versteckt statt und werden von den meisten verurteilt, wenn sie aufgedeckt werden.“

In seinem vielbeachteten TED-Talk fasst er zusammen: „Wir [leben] heute möglicherweise in einer der friedlichsten Zeiten seit unsere Spezies existiert.“

Aber wie passt das zusammen mit dem, was wir in den Medien beobachten?

Warum fühlt es sich anders an?

Die New York Times berichtete in einem Artikel darüber, dass trotz sinkender Kriminalitätsrate die Wahrnehmung in der Bevölkerung eine andere war.

Max Roser, Autor der in diesem Artikel verlinkten Website Our World in Data erklärt es so: „Um die Veränderungen in der Welt zu begreifen, muss man das große Ganze betrachten. Man muss aus den derzeitigen Geschehnissen herauszoomen, um zu verstehen, in welche Richtung sich die Welt bewegt. Wir leben in einer viel friedlicheren Welt als unsere Vorfahren. Die Nachrichten fixieren sich auf Einzelfälle, auf singuläre Ereignisse. Aber Veränderungen passieren über Jahrzehnte, manchmal sogar Jahrhunderte.“

Sprich: Wir hatten noch nie so viele Informationen und Informationsmöglichkeiten zur Verfügung. Das beeinflusst unsere Wahrnehmung.

Jedes Mal, wenn Trump etwas sagt, berichten sämtliche Medien mit „Breaking News“. Jedes Mal, wenn Nordkorea eine Drohung ausspricht, wird in den Medien der Teufel des Dritten Weltkriegs an die Wand gemalt. Jeder Terroranschlag in Europa oder den USA wird medial ausgeschlachtet.

Oder anders: Krieg und Verbrechen haben Nachrichtenwert. Frieden und Sicherheit nicht.

All das formt das Bild unserer Welt. Dieses Phänomen nennt sich Verfügbarkeitsheuristik: „In solchen Fällen wird das Urteil stattdessen davon beeinflusst, wie verfügbar dieses Ereignis oder Beispiele ähnlicher Ereignisse im Gedächtnis sind. Ereignisse, an die wir uns sehr leicht erinnern, scheinen uns daher wahrscheinlicher zu sein als Ereignisse, an die wir uns nur schwer erinnern können. Aus diesem Grund könnte man etwa die Wahrscheinlichkeit dafür, ermordet oder Opfer einer Gewalttat zu werden, als recht hoch einschätzen, wenn man kürzlich einen Bericht über einen Mord gelesen hat oder in den Medien häufig solchen Berichten begegnet.“

Abschließend noch einmal Steven Pinker: „Wenn man sich in den Nachrichten informiert, wird man immer glauben, dass man in schlimmen, gewalttätigen Zeiten lebt. Weil immer, wenn etwas explodiert, wenn es eine Schießerei gibt, geht es umgehend als Nachricht um die Welt. In den Nachrichten geht es um Dinge, die passieren. Es geht nicht um das, was nicht passiert. Und solange Gewalt existiert und nicht auf Null gesunken ist, wird sie die Nachrichten füllen. Niemand berichtet aus Mozambique oder Kolumbien und erzählt, dass dieses Jahr dort kein Krieg ist.“

Mit diesem Artikel will ich keinesfalls sagen, dass man sich überhaupt keine Sorgen um die Zukunft zu machen hat. Auch ist in vielen Staaten und für viele Gruppen von Menschen die Lebensqualität nicht in der Form da, wie es zu wünschen wäre. Von den Opfern der noch immer viel zu vielen Konflikte auf diesem Planeten ganz zu schweigen.

Aber wenn die Boulevard-Medien mal wieder durchdrehen, Kriegsmächte Drohungen aussprechen und generell Panik in der Luft liegt, tut es gut, durchzuatmen und festzustellen: Ja, es ist nicht alles gut. Aber es war auch schon mal viel, viel schlimmer.

Wir sollten dafür sorgen, dass es so bleibt.

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