Kindesmissbrauch Zeugen Jehovas Strafe

Kindesmissbrauch: Zeugen Jehovas dazu verurteilt, täglich $4.000 Strafe zu zahlen, weil sie Dokumente nicht vorlegen

Eine dieser Geschichten, bei denen man nur ungläubig mit dem Kopf schütteln kann:

In einem Kindesmissbrauchprozess in den USA hat ein Gericht die Organisation der Zeugen Jehovas zu $4.000 Strafe täglich (!) seit dem 16. April 2016 verurteilt, weil sie sich der gerichtlichen Anordnung widersetzen, weitere Dokumente vorzulegen, die als Beweismittel verlangt werden. Die Zeugen Jehovas verloren auch die Berufung.

In anderen Worten: Statt das Geld in karitative und soziale Leistungen zu stecken oder ihr Missionswerk zu fördern, werden sie ihre Spendengelder für Strafzahlungen ausgeben müssen, weil sie Dokumente nicht rausrücken möchten.

Die Summe ist mittlerweile auf über 2 Millionen Dollar angewachsen.

Die Zeugen Jehovas werden vor allem durch Spenden ihrer Mitglieder finanziert. Spenden, die jetzt unter anderem für diese Strafzahlung aufgewendet werden müssen.

Dabei berufen sie sich auf etwas, das der Ex-Zeuge Jehovas Oliver Wolschke einen Zaubertrick nennt: Sie behaupten, es handle sich um zwei verschiedene Organisationen, sie könnten die gewünschten Dokumente (Dokumente aus Zeitraum der Tat) also gar nicht vorlegen:

„Die Dokumente umfassten allerdings nicht wie gefordert einen Zeitraum von 19 Jahren, sondern nur 4 Jahre. Zudem waren Ortschaften sowie Namen von Tätern geschwärzt. Der Zaubertrick: Warum übergab die WTG dem Gericht nur Dokumente für einen Zeitraum von 4 Jahren? Am 14. März 1997 wurden Älteste in den Vereinigten Staaten durch einen Brief darum gebeten, Dokumente über „ehemalige“ oder „bekannte“ Kinderschänder an die Zentrale in New York zuzusenden. Die Ältesten wurden angewiesen, allen Mitältesten Zugang zu den Dokumenten zu gewähren, jedoch nicht mit Mitgliedern der Gemeinde darüber zu sprechen. Im Jahr 2001, 4 Jahre später, wurde die Christian Congregation of Jehovah’s Witnesses, Inc. gegründet, um die Gemeindeangelegenheiten der Zeugen Jehovas in den Vereinigten Staaten zu organisieren und zu verwalten. Die Rechtsanwälte der WTG argumentierten daraufhin vor Gericht, dass sie nach der Gründung der CCJW keinen Zugang mehr zu Dokumenten über Missbrauchsfälle hätte, oder diese kontrollieren könnte. (weiterlesen)“

Dem Anwalt des Opfers zu Folge könnten die Dokumente die Organisation der Zeugen Jehovas entscheidend hinsichtlich ihres internen Umgangs mit Kindesmissbrauchsvorfällen belasten. Das Opfer wirft den Zeugen Jehovas vor, nicht nur vom Missbrauch gewusst zu haben, sondern den Täter sogar beschützt und befördert zu haben, was zu weiteren Fällen von Missbrauch führte.

Unter anderem die New York Post berichtet über entsprechende Zeugen-Aussagen auch in England. Eine ehemalige Zeugin Jehovas gibt zum Beispiel an, dass Gemeinde-Älteste ihr davon abgeraten hätten, zur Polizei zu gehen, weil es „Schmach auf Jehova“ gebracht hätte. Der Verein InfoSekta hat ein Dossier über den Umgang der Zeugen Jehovas mit Kindesmissbrauch aufbereitet (PDF).

Ich bin selber ehemaliger Zeuge Jehovas (in meinem Buch „Goodbye, Jehova!“, das ich unter Pseudonym verfasst habe, schreibe ich über die Zeit). Meine Eltern sind noch Mitglieder, und wenn ich bedenke, wie viel Geld sie jeden Monat von ihrer mickrigen Rente abknapsen, um es der Organisation der Zeugen Jehovas zu spenden, nur um zu beobachten, wie das Geld für unnötige Strafzahlungen aus dem Fenster geworfen wird, bricht es mir das Herz.

Von der Tatsache ganz zu schweigen, dass die Organisation kein Interesse an der Aufklärung eines Missbrauchs hat. Aber das haben sie mit vielen Religionen gemeinsam.

Bildquelle / Picture Credit: Steve Sadowski (License)

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