Gold – Gier hat eine neue Farbe (Film-Review)

Viele Filme basieren auf wahren Geschichten. In unregelmäßigen Abständen bespreche ich hier so spoilerfrei wie möglich Filme, deren „wahre Geschichte“ nicht bloß deshalb fasziniert, weil die Protagonisten berühmt sind. Bewertet wird dabei vor allem der Unterhaltungswert und die Faktentreue. Was ist dran am Label „nach einer wahren Geschichte… based on a true story“?

Diese Review erschien als erstes in Episode 2 meines Podcasts. Hier nachhören.

Gold – Gier hat eine neue Farbe (2016): Darum geht’s

Es ist das Jahr 1981 und der Prospektor Kenny Wells steht kurz davor, das von seinem Vater geerbte Bergbauunternehmen in den Ruin zu steuern. Was ihm an kaufmännischem Talent fehlt, macht er mit Leidenschaft wett, einem fast schon als obsessiv zu bezeichnenden Ehrgeiz wett, mit dem er die Suche nach Bodenschätzen betreibt. Erfolglos. Bis er einen Traum von einem Goldfund in Indonesien hat…

Er heuert den Geologen Michael Acosta an, der durch den Fund einer Kupferlagerstätte Berühmtheit in der Geologenszene erlangte. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg in den Dschungel, um die Zwillingsberge zu finden, die Kenny Wells in seinem Traum sah.

Und tatsächlich finden sie die Zwillingsberge aus seinem Traum – samt des größten Goldvorkommens der jüngeren Geschichte. Nun liegt ihm die Wall Street zu Füßen, während seine Freundin sich immer mehr von ihm entfremdet….

Der Film „Gold – Gier hat eine neue Farbe“ erschien 2016 mit Matthew McConaughey, Édgar Ramírez und Bryce Dallas Howard in den Hauptrollen und ist laut Texttafel inspiriert von wahren Ereignissen (Trailer).

Die Faktentreue

Das „inspiriert“ nimmt der Film ernst. Gold ist kein Biopic, sondern eine unterhaltsame, lose Nacherzählung wahrer Ereignisse. Weder Kenny Wells noch Michael Acosta gab es wirklich – aber sie sind den echten Protagonisten eines Goldrauschs aus den 90ern nachempfunden, wenn auch stark überzeichnet. Das gleiche gilt für die Ereignisse, die stark fiktionalisiert sind. Aber in Schlüsselmomenten folgt der Film den tatsächlichen Geschehnissen. Ein Geschäftsmann aus Nordamerika machte sich mit Geologen in den Dschungel von Indonesien auf, um Gold zu suchen. Und wie im Film hatten die Konsequenzen dieses Unterfangens Auswirkungen bis in die höchsten Kreise der Wall Street. Die Bre-X-Affäre von 1997 ist bis heute in Kanada berühmt und vor allem berüchtigt.

Der Unterhaltungswert

Gold erreicht zwar nicht die Klasse anderer Schelmengeschichten wie „The Wolf of Wall Street“, „The Big Short“ oder „American Hustle“; einen unterhaltsamen Filmabend bietet der Streifen allemal. Neben der ausgezeichneten Kamera-Arbeit, den Landschaftsaufnahmen und den authentischen 80er Jahre Set Pieces sticht aus einem hervorragenden Schauspieler-Ensemble mal wieder vor allem Matthew McConaughey hervor.

Matthew McConaughey schafft es nicht nur, noch schlimmer auszusehen, als in „Dallas Buyers Club“, wo man sein Erscheinen mit zugekniffenen Augen immerhin noch als American Apparel Heroin Chiq durchgehen lassen könnte. Der Schauspieler schafft es mit seinem Fettbauch, Halbglatze und Überkämmerfrisur, die Obsession des Kenny Wells mit einer Wucht auf die Leinwand zu übertragen, das man auf dem Sofa förmlich angewidert zurückweicht wie vor dem Sitznachbarn an der Kneipentheke, der sich im Gespräch immer viel zu unangemessen vertrauensvoll vorbeugt. Die Wandlungsfähigkeit dieses Schauspieler ist beeindruckend, auch, wenn sein Minenspiel ein paar zu oft ins Groteske abgleitet. Schade, da die Figur in dieser Form Fiktion ist – ein oder zwei Gänge runter wäre auch völlig ok gewesen.

Nichtsdestotrotz darf man sich Gold – Gier hat eine neue Farbe ruhig zu Gemüte führen, und sei es nur wegen des grandiosen 80er Jahre Soundtracks samt Titelstück von Iggy Pop und Danger Mouse, den ich hier sehr empfehle.

„Gold – Gier ist eine neue Farbe“ ist auf unterschiedlichen Streaming-Plattformen erhältlich.

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